Hand des Bräutigams auf Taille der Braut - mit Ring

Ich habe eine Hochzeit fotografiert

Die Ergebnisse waren nicht durchgehend scharf, aber durchgehend herzlich.

Ich habe viel gelernt.

Wenn etwa eine Woche vor dem Hochzeitstermin um dich herum die Seuche ausbricht und alles krächzt, niest und hustet, ist es sinnvoll, dein Immunsystem nicht zu überschätzen und dich mit einem Vorrat an Aspirin Complex einzudecken, auch wenn du sonst eher gegen dieses “Trotz Erkältung voll im Leben”-Gedöns bist.

Sei früh da, lass dich von der Braut mit Hochzeitsstimmung anstecken und höre genau zu, was sie während des Getting Ready – getrieben von ihrer Nervosität – alles so erzählt. Tatsächlich hab ich während des “Engagement Shootings” trotz gezieltem Nachfragen zu Zeremonie und Bräutigam nicht mal ein Zehntel von dem erfahren, was ich nach zwei Stunden Frisur und Make-Up als Hintergrundinfo in meine Fotos miteinfließen lassen konnte.

Braut beim Coiffeur

Überhaupt: Lausche aufmerksam. Nicht nur den Reden der Väter und Trauzeugen, sondern vor allem auch den Kommentaren der Gäste, den kleinen, unauffälligen Gesprächen zwischen Braut und Bräutigam, den Anmerkungen der Eltern vor und nach der Zeremonie, den Ausrufen der Kinder. Das hilft bei der späteren Fotoauswahl enorm: Das ein oder andere Foto mag technisch alles andere als perfekt sein – muss aber trotzdem mit in die Auswahl, weil es einen vielleicht unspektaluären, aber für die “Insider” doch bedeutenden Moment eingefangen hat. Und das Erlauschte hilft auch bei der Präsentation der Fotos. “Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte”. Aber mit meinem Nicht-Berufsethos als Nicht-Berufsfotograf kann ich es hervorragend vereinbaren, den Bilder noch ein paar Worte hinzuzufügen… und mit ein paar passenden Zitaten von ein paar technischen Mängeln abzulenken. In diesem Fall hatte ich sogar die Möglichkeit, nachträglich noch ein paar Kinderstimmen als “O-Ton” aufzunehmen… grad so, mit dem Handy… und in meine Präsentation miteinzubauen. Die Reaktionen waren durchgehend positiv. Und ich frage mich, ob man nicht generell eine sogenannte “Hochzeitsreportage” mit ein paar “O-Tönen” verbinden sollte…?

Auf der Suche nach einer Idee, wie ich die Tonaufnahmen in ein Fotobuch integrieren könnte, bin ich von der Verbindung “Soundcloud und QR-Code” schnell wieder ab- und bei Adobe Spark angekommen. Das kannte ich vorher nicht. Dabei ist es kostenlos und – als Teil der Adobe Creative Cloud – sogar ohne Branding zu benutzen. Es hat funktioniert. Und es ist wirklich richtig gut angekommen, bei Braut und Bräutigam und allen, mit denen die den Link zum Album (ganz unkompliziert) geteilt haben.

Wenn du monochrome Fotos magst, aber nicht eine ganze Hochzeit in schwarzweiß konvertieren willst: Gönn dir den Spaß, mal ein Fotobuch zu gestalten. Ich hab die kompletten Seiten in Photoshop fertig gemacht und dann in die Software von ALDI-Foto (ganz unglamourös, ich weiß) eingebunden. Das war gut zu machen. Hätte ich vorher alle Hinweise  – z.B. zu genauer Größe und Beschnitträndern – gelesen, hätte ich es auch nicht zweimal machen müssen.

Braut wirft nach dem Ankleiden einen prüfendem Blick in den Spiegel, eilt dann die Treppe runter...

Das fertige Buch in den Händen machte ich mich auf die Suche nach der Ursache der leichten “Farberwärmung”. Ich – bzw. mein Monitor – hatte mir den Ton etwas kühler vorgestellt. Dabei hab ich dann gelernt, dass die “Softproof”-Funktion in Lightroom nicht dazu dient, nur mal kurz nachzuschauen, wie das Foto vor weißem Hintergrund wirkt… Jetzt weiß ich, dass Farbmanagement eine Wissenschaft für sich ist. Immerhin ein winziges Wissenbisschen habe ich zu dem Thema erworben: Es gibt Farbprofile. Und es gibt richtig teure Extra-Fotobearbeitungs-Monitore… und die Farbausgabe meines Normalsterblichen-Monitors kann trotz Kalibrierungsspinne eine etwas andere Farbgeschichte erzählen als der fertige Print.

Dazu gab es noch einen Haufen “Organisationskram” zu lernen: Von “Hätte ich bloß mein Navi aktualisiert!” über “Hätte ich doch die Speicherkarten vorher formatiert!”  bis zu “Hätte ich mir gemerkt, wo ich beim letzten Objektivwechsel meinen Fotorucksack hingelegt habe, könnte ich ihn jetzt auch finden.”

Wesentliche Lerneffekte gab es auch bei der Datenspeicherung: “Wenn deine Kamera, die du angeblich in- und auswendig kennst, plötzlich ewig lange zum Speichern einer Aufnahme braucht, du aber sicher bist, keine Belichtungsreihe verlangt zu haben (das machst du überhaupt nie): Kontrollier mal, ob der Apparat vielleicht Weißabgleichsreihen produziert.” Leider wusste ich bis dahin nicht, dass meine Kamera überhaupt auf so eine Idee kommen könnte… weshalb ich zeitweise befürchtete, sie würde jetzt einfach den Geist aufgeben… und weshalb ich nachher viele Fotos löschen musste. Zum gezielten Löschen kam ich überhaupt erst, nachdem ich mit meinem PC geklärt hatte, dass es keinen Grund gibt, einfach mittendrin mal runterzufahren… erst recht nicht dann, wenn ich gerade Fotodateien von einer Speicherkarte auf die Festplatte verschiebe.  Das war ein ziemlich nervenaufreibender Moment –  in dem ich eingesehen habe, dass es in manchen Fällen sinnvoller ist, die Speicherkartenaufräumpedanterie aufzugeben und die Fotos lieber erst mal zu kopieren als gleich zu verschieben. Und ich weiß jetzt auch, dass ich die Dateien von der Karte  auf die externe Festplatte schicken kann, ohne Umweg über die interne Festplatte.

Was sich mir trotz eingehender Betrachtung von RGB- und LAB-Farbräumen immer noch nicht erschließt: “Wie bastel ich in Lightroom einen Hautton, der gleichzeitig eine Braut mit und einen Bräutigam ohne Make-Up nicht allzu krank aussehen lässt?”

Was ich auch immer noch nicht gelernt habe: Wie mache ich zuverlässig scharfe Fotos? Vor allem gegen Ende, als die letzte Aspirin Complex zu wirken aufgehört hatte, wurde die Trefferquote immer geringer. Ich mag mein Altglas*, aber vielleicht sollte ich weniger nostalgisch (stur?) sein und doch mal über eine andere Ausrüstung nachdenken?

Die nächste Hochzeit kommt bestimmt. Die Anfrage – ich glaube, nicht zuletzt das Fotobuch spielte dabei eine wichtige Rolle – verlief ähnlich wie beim letzten Mal: “Aber meine Fotos sind nie scharf.” – “Das ist mir egal. Ich will, dass du diese Hochzeit fotografierst.” Na ja – bis dahin ist noch etwas Zeit. Da kann ich ja noch üben… Und falls jemand noch ein oder zwei oder mehr Ratschläge für mich hat: Ich bin für alles dankbar!

* An diesem Tag dabei:

  • Helios 44 58mm f/2
  • Vivitar 70-150mm f/3.8
  • Mamiya Sekor 28mm f/2,8
  • ein aus Objektivresten selbst zusammengenähtes, lensbabyähnliches Irgendwas

Links:

Hand des Bräutigams auf Taille der Braut - mit Ring

ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar